[okfn-de] Freie Lizenzen für Hausarbeiten

Markus Lang M.H.Lang at web.de
Wed Jun 23 11:53:40 BST 2010


Hallo Cornelius,

vielen Dank für die Hinweise. Für Abschlussarbeiten und wissenschaftliche Schriften sind die Instituional Repositories mit Sicherheit die beste Lösung, für Hausarbeiten bin ich hingegen etwas skeptisch, da man eine mittelmäßige Arbeit aus den ersten Semestern u.U gar nicht kontextunabhängig archiviert haben möchte. Im Augenblick scheint es mir so zu sein, dass sich an vielen Hochschulen in Deutschland eine Art duales System (OPUS für alle Arten von Hochschulschriften; Moodle etc. für Kurse) durchsetzt, das in einer problematischen Mischung aus Bequemlichkeit und Unwissen den Aufbau von Wissenarchiven mit völlig unterschiedlichen Philosophien begünstigt und Synergien ungenutzt lässt. 

Während die Hochschulschriftenserver eine beinahe ideale Politik im Hinblick auf freie Inhalte verfolgen, sind in den Moodles oft sämliche Inhalte passwortgeschützt, obwohl der urheberrechtliche Schutz der Literatur auch mit DOI Links über VPN oder durch Hinweise auf ein interes Archiv bewerkstelligt werden könnte. Ideal wäre es natürlich, dieses ganze Kursmaterial auf bundesweit einheitliche OpenCourseWare Server zu übertragen, die komplementär zu den Hochschulschriftenservern betrieben werden.

Einem solchen Projekt stehen aber wohl nicht nur Bedenken der Rechteinhaber, sondern auch und vor allem finanzielle Bedenken entgegen, was aufgrund der anfallenden Kosten (http://ocw.mit.edu/donate/why-donate/index.htm) auch nicht weiter überraschen darf.  Deshalb bräuchte es für ein solches Projekt Leute, die sich 1) politisch für die Einführung eines solchen Systems einsetzen und 2)  für dessen Erhalt sorgen. Erstere müssten zumindest zum Teil aus der momentanen Studierendenschaft rekrutiert werden,  letztere vielleicht aus der (ehmaligen) Studierendenschaft. 

Angesichts der deutschen Zurückhaltung was Spenden angeht, könnte man die Tatsache, dass heute abgehende Studenten ihre Accounts behalten, möglicherweise in eine Einkommenquelle für die Universitäten umwandeln, indem man ein Abomodell einführt, das in beschränktem Maß "Support" zu den frei verfügbaren Kursen gewährt (hier kann man auch in der Zusammenarbeit mit privaten Bildungsdienstleistern ansetzen). Der Gedanke dahinter ist, dass sich ein Betriebswirt später wahrscheinlich nicht mehr für "Steuern und Buchführung I" interessiert, vielleicht aber für Chinesisch I und ein Sinologe  umgekehrt für "Steuern und Buchführung I". 

Solche Ideen (wie unrealistisch sie auch immer sein mögen) werden außerhalb von Mailinglisten überhaupt erst dann diskutiert, wenn heutige Studenten positive Erfahrungen mit freien Inhalten machen und beginnen deren Förderung als öffentliche Angelegenheit zu sehen. Für dieses Anliegen sind die vielen zweifellos kreativen Bildungsstartups zunächst mal eine Gefahr (mit der Betonung auf zunächst), da einer von ihnen Monopolist werden könnte und den Aufbau eines öffentlichen Systems von vornherein argumentativ diskredidiert. 

Wir sollten deshalb mit zivilgesellschaftlichen Initativen darauf hinarbeiten, dass erstmal ein solches System etabliert wird, um dass dann gerne ein Markt herumwachsen kann.

Beste Grüsse,
Markus 


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Von: Cornelius Puschmann <cornelius.puschmann at uni-duesseldorf.de>
Gesendet: 22.06.2010 15:24:23
An: OKFN Deutschland <okfn-de at lists.okfn.org>
Betreff: Re: [okfn-de] Freie Lizenzen für Hausarbeiten

Hallo Markus,

oft können Studierende Hausarbeiten u.ä. bei den Institutional Repositories ihrer Universitäten hochladen (etwa: [http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/]). Etwa ähnliche Leistungen bieten auch Mendeley ([http://www.mendeley.com/]) und [nichtakademisch] Scribd ([http://www.scribd.com/]) und noch ein paar Start-Ups, die mir gerade nicht einfallen. Die Integration von Primärdaten ist noch ein relativ neuer Ansatz, allerdings einer, der auch innerhalb der Fachcommunities (also unter Wissenschaftlern) noch intensiv diskutiert wird. D.h. für Studis ist es vielleicht noch etwas früh, eine solche Plattform unter Berücksichtigung eines "Open Data"-Ansatzes aufzubauen, da die Standards noch in der Entwicklung sind. Trotzdem: schaden kann es bestimmt nicht...

Viele Grüße,

Cornelius

2010/6/20 Markus Lang <[M.H.Lang at web.de]>
>
> Eine Möglichkeit dies zu kompensieren, könnten vielleicht Onlineprojekte sein, die möglichst hohen akademischen Standards folgen und gleichzeitig eine weit sinnvollere Hilfestellung als
 > [hausarbeiten.de] usw. geben. Im Idealfall stehen Dozenten, die auf solche Onlineprojekte aus den üblichen Gründen nicht zurückgreifen, schon rein faktisch wie Idioten da, weil sie gegen > wissenschaftliche Stringenz argumentieren müssten.




Dr. des. Cornelius Puschmann, M.A.

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