[okfn-de] Freie Lizenzen für Hausarbeiten

Daniel Dietrich daniel.dietrich at okfn.org
Mon Jun 21 14:19:16 BST 2010


Hi Markus,

ich finde das hört sich interessant an. Ich persönlich habe leider gerade keine Ressourcen ein weiteres Projekt zu starten. Ist bestimmt nicht "größenwahnsinnig", aber bestimmt ein bisschen Arbeit. Vielleicht findest Du ja noch weitere Mitstreiter.

Beste Grüße
Daniel



On 20.06.2010, at 14:11, Markus Lang wrote:

> Hallo,
> 
> ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist Markus Lang und ich studiere Politikwissenschaft an der Uni Bamberg. Vor zwei Jahren habe ich gemeinsam mit anderen Studenten erste Chapter der Students for Free Culture (http://freeculture.org/) in Deutschland gegründet. Allerdings ist von der anfänglichen Begeisterung wenig übrig geblieben, was u.a. mit fehlenden Mitteln, fehlender Zeit und dem fehlenden Interesse vieler Studenten zu tun hat. 
> 
> Im Gegensatz zu den amerikanischen Gruppen, die nahezu ausschließlich an juristischen Fakultären angesiedelt sind, haben wir keine Rückmeldungen von Jurastudenten bekommen. Das Problem daran ist weniger, dass uns rechtliches Wissen gefehlt hätte, als das Selbstverständnis der eigenen Disziplin sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen. 
> 
> Es kommt leider immer streberhaft und neunmalklug, wenn man Dozenten für krude urheberrechtliche Behauptungen kritisiert oder die Frage stellt, warum jede Folie und jede Literaturliste hermetisch gegen alle Nicht-Kursteilnehmer abgeschirmt werden muss (ganz zu schweigen von den albernen Sticheleien gegen die Verwendung von Wikipedia-Inhalten). 
> 
> Man kann natürlich einwenden, dass man dergleichen schon auf sich nehmen muss, wenn man wirklich auf eine "freie Kultur" hinarbeiten möchte. Ich bin mittlerweile allerdings der Überzeugung, dass es so schwer ist, Interesse für die Sache zu wecken und ohne die Aufmerksamkeit, die studentischen Gruppen in den USA durch die Law Clinics (http://www.law.berkeley.edu/samuelsonclinic.htm) zu Teil wird, jegliches Spannungsmoment fehlt. 
> 
> Eine Möglichkeit dies zu kompensieren, könnten vielleicht Onlineprojekte sein, die möglichst hohen akademischen Standards folgen und gleichzeitig eine weit sinnvollere Hilfestellung als hausarbeiten.de usw. geben. Im Idealfall stehen Dozenten, die auf solche Onlineprojekte aus den üblichen Gründen nicht zurückgreifen, schon rein faktisch wie Idioten da, weil sie gegen wissenschaftliche Stringenz argumentieren müssten. 
> 
> Was mir vorschwebt, ist eine einfach zu bedienende deutsche Version des Dataverse (http://thedata.org/#section-3). Auf einer entsprechenden Seite könnten Studenten ihre Hausarbeiten/Essays, die verwendeten Daten für die empirische Analyse sowie Dokumentationen (z.B. Code für das Statistik-Programm) unter einer freien Lizenz (Creative Commons, GFDL) zur Verfügung stellen (vgl. http://dvn.iq.harvard.edu/dvn/dv/king). Solche unmittelbaren Replikationsmöglichkeiten sind natürlich nicht für alle Wissenschaften interessant, dennoch könnte man sich Diskussionen über die richtige Auslegung von Quellen ja z.b. auch bei geschichtlichen Arbeiten vorstellen. Ein Tutorial für die jeweilige Fachrichtung könnte sowohl Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens als auch freien Publizierens vermitteln und damit (vielleicht) die Plagiatgefahr mindern. 
> 
> Bislang handelt es sich dabei lediglich um eine (wahrscheinlich zu größenwahnsinnige) Idee, aber vielleicht interessiert sich auf dieser Liste jemand für die längerfristige Realisierbarkeit  eines solchen Projekts.
> 
> 
> Beste Grüsse,
> Markus Lang 
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